Der Monteur hält das Eckventil-Innenteil gegen das Licht: außen Messing, innen ein rosa Schwamm. Sieben Jahre in norddeutschem Wasser haben das Zink aus dem Gefüge gelöst – zurück bleibt poröses Kupfer, das beim nächsten Anziehen bricht. Entzinkung kündigt sich nicht an. Sie steht auch in keinem Angebot. Sie steht nur in einer Werkstoffnummer: CW602N. Und wer sie kennt, spart sich den Wasserschaden – und die Diskussion mit der Versicherung.
Entzinkungsbeständiges DZR-Messing (CW602N, CuZn36Pb2As) ist Pflicht bei chloridreichem, weichem oder stagnierendem Wasser sowie überall dort, wo die Ausschreibung DR/DZR fordert. Der Nachweis ist die Prüfung nach ISO 6509 – eine geprüfte Werkstoffeigenschaft, keine Produktzulassung. Im geschlossenen Heizkreis, bei trockenem Gas oder Druckluft genügt Standard-Messing (CW614N/CW617N) meist völlig.
DZR steht für „dezincification resistant“ – entzinkungsbeständig. Der Begriff taucht in Ausschreibungen als Kürzel „DR“ auf, verschwindet auf dem Angebot hinter einem Aufpreis und entscheidet doch über die Lebensdauer eines Trinkwasser-Bauteils. Dieser Beitrag erklärt den Mechanismus nüchtern, zieht eine ehrliche Grenze zwischen DZR und Standard-Messing und ordnet die deutsche Rechtslage ein – ohne Zulassungs-Bluff.
Brassland fertigt gedrehte Messing-Komponenten nach Zeichnung – Ventilinnenteile, Anschlussstücke, Buchsen, Nippel –, keine fertigen Armaturen. Lesen Sie das hier deshalb als Werkstoff-Orientierung, nicht als Verkaufsargument für eine bestimmte Legierung. Wo Standard-Messing reicht, sagen wir das.
Was bei der Entzinkung im Gefüge passiert
Entzinkung ist selektive Korrosion. In aggressivem Wasser geht das unedlere Zink aus der Messing-Legierung in Lösung, während das edlere Kupfer als poröses, mechanisch wertloses Skelett zurückbleibt. Von außen sieht das Teil oft unversehrt aus; das Bruchbild verrät den Schaden: ein charakteristisches meringue-rosa, schwammiges Restkupfer statt des goldgelben, dichten Messings.
Die vier Risikofaktoren
Entzinkung wird begünstigt durch hohen Chloridgehalt, weiches Wasser (geringe Karbonathärte, wenig Schutzschicht), Stagnation (stehendes Wasser in selten durchflossenen Strängen) und erhöhte Temperatur. Treffen mehrere zusammen – etwa weiches, chloridhaltiges Wasser in einer wenig genutzten Leitung –, ist selbst gut verarbeitetes Standard-Messing gefährdet.
CW602N: die arsengehemmte Legierung
CW602N entspricht CuZn36Pb2As. Der entscheidende Zusatz ist ein geringer Arsengehalt: Arsen hemmt die selektive Herauslösung des Zinks und macht die Legierung entzinkungsbeständig. Geprüft wird diese Beständigkeit nach ISO 6509 – der Test misst die maximale Eindringtiefe der Entzinkung unter definierten Bedingungen und bewertet, ob die Legierung als DZR gelten darf.
Claims-Disziplin
Wichtig sauber zu trennen: ISO 6509 ist eine Prüfnorm für eine Werkstoffeigenschaft, keine Produktzulassung und keine Betriebserlaubnis für ein Bauteil. „CW602N ist nach ISO 6509 geprüft“ heißt: Die Legierung besteht den Entzinkungstest. Es heißt nicht, dass ein daraus gefertigtes Teil damit für Trinkwasser „zugelassen“ wäre – das ist eine separate, rechtliche Frage (siehe unten).
Wann Standard-Messing völlig genügt
DZR pauschal zu verkaufen wäre unseriös. In vielen Anwendungen ist Entzinkung schlicht kein Thema, und CW614N (CuZn39Pb3, Zerspanbarkeitsindex 100 der Messing-Skala) oder CW617N bleiben die wirtschaftlichere und völlig ausreichende Wahl:
- Geschlossener Heizkreis: sauerstoffarmes, aufbereitetes Wasser – Entzinkung praktisch kein Risiko.
- Trockene Gasanwendungen und Druckluft: kein wässriges Medium, kein Zinkabtrag.
- Nicht medienberührte Bauteile: mechanische Teile, Elektro-Kleinteile, Anschlussstücke außerhalb aggressiver Wässer.
Die ehrliche Faustregel: Erst das Medium und die Einbauumgebung bewerten, dann die Legierung wählen – nicht umgekehrt.
Die deutsche Rechtslage – nüchtern
In Deutschland regelt die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) den Kontakt von Werkstoffen mit Trinkwasser. Verbindlich ist die UBA-Bewertungsgrundlage für metallene Werkstoffe (Positivliste, verankert über § 15 TrinkwV): Sie legt fest, welche Metalle im Trinkwasserkontakt verwendet werden dürfen.
Für die Beschaffung heißt das konkret: Es gibt keinen pauschalen Brassland-Zulassungs-Claim. Der Inverkehrbringer des Endprodukts – also der Armaturenhersteller – prüft die aktuelle UBA-Liste für sein konkretes Bauteil und trägt die Verantwortung für die Konformität. Wir liefern die Legierung nach Spezifikation plus EN 10204 3.1-Zeugnis, das die Charge dokumentiert. Die Eignungsfreigabe liegt beim Besteller.
Warum DZR mehr kostet als der reine Materialaufpreis
CW602N ist nicht nur teurer im Legierungspreis – es zerspant auch spürbar zäher als CW614N. Das bedeutet längere Zykluszeiten, angepasste Schneidgeometrien und andere Schnittwerte. Der Aufpreis eines DZR-Drehteils setzt sich also aus Legierungszuschlag und Zerspanungsaufwand zusammen. Gegen einen einzigen Entzinkungsschaden – Ausfall, Wasserschaden, Regressdiskussion – gerechnet, ist dieser Aufpreis allerdings trivial.
Rückverfolgbarkeit als Audit-Dokument
Bei Trinkwasserkomponenten ist die Chargen-Rückverfolgbarkeit das zentrale QS-Dokument. EN 10204 3.1 liegt jeder Lieferung bei und dokumentiert die tatsächliche Charge; Typ 3.2 mit externem Abnahmebeauftragten ist auf Anfrage möglich – mit Vorlauf einzuplanen.
Wenn zusätzlich Blei das Thema ist
Entzinkung und Blei sind zwei verschiedene Fragen. CW602N löst die Entzinkung. Wenn zusätzlich der Bleigehalt relevant wird – etwa bei Trinkwasser-Neuentwicklungen mit Blick auf verschärfte Grenzwerte –, führt der Weg zu bleifreiem Silizium-Messing CW724R (entspricht C69300), das als Werkstoff auch entzinkungsbeständig charakterisiert ist. Geht es dagegen nur um Entzinkung, ist CW602N meist die günstigere Antwort.
DZR ist Pflicht, wenn…
…das Medium Trinkwasser oder chloridhaltiges Brauchwasser ist; das Wasser weich ist oder stagniert; die Temperatur erhöht ist; oder die Ausschreibung DR/DZR fordert. Ein einziges dieser Kriterien genügt, um CW602N zu spezifizieren.
Standard-Messing gewinnt, wenn…
…das System ein geschlossener Heizkreis mit aufbereitetem Wasser ist; das Medium trockenes Gas oder Druckluft ist; oder das Bauteil gar nicht medienberührt ist. Hier ist CW614N/CW617N die wirtschaftlichere Wahl – DZR bringt keinen Funktionsgewinn, nur Mehrkosten.
Wie Brassland dabei hilft
Wenn Ihr Bauteil DZR braucht, fertigen wir es aus CW602N nach Ihrer Zeichnung; wenn zusätzlich bleifrei gefordert ist, aus CW724R / C69300; wo Standard-Messing genügt, aus CW614N. Alle Teile entstehen im hauseigenen CNC-Dreh- und Langdreh-Betrieb (enge Maße bis ±0,005 mm), mit EN 10204 3.1 je Lieferung. Für Trinkwasser-nahe Komponenten sehen Sie auch unsere Sanitär- & Armaturenteile und Sonderteile nach Zeichnung. Wir fertigen Komponenten, keine fertigen Armaturen, und gießen nicht.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob ich DZR-Messing brauche?
Ist CW602N nach ISO 6509 „zugelassen“ für Trinkwasser?
Warum ist ein Drehteil aus CW602N teurer als aus CW614N?
Reicht DZR auch im geschlossenen Heizkreis?
Fertigt Brassland komplette Armaturen aus CW602N?
DZR- oder bleifreie Komponenten nach Zeichnung?
Brassland zerspant Präzisionsteile aus CW602N, CW724R und CW614N nach Ihrer Zeichnung – Langdrehen bis ±0,005 mm, CNC im Haus, EN 10204 3.1 je Lieferung. Senden Sie uns Ihre Zeichnung.
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